Appropriation Art - Part II
Aneignung im Zeitalter generativer Systeme
Mich interessiert generative KI auch als zeitgenössische Form der Aneignungskunst.
Bilder entstehen hier selten aus dem Nichts, sondern aus vorhandenen visuellen Spuren, Referenzen und Datensätzen, die neu kombiniert und übersetzt werden.
Diese Arbeitsweise knüpft an eine künstlerische Haltung an, die meine Arbeit schon lange begleitet:
Aneignung nicht als Kopie, sondern als Weiterdenken eines bestehenden Bildraums.
Generative Systeme verschieben diesen Prozess, weil sie Aneignung beschleunigen, vervielfachen und sichtbar machen.
In meinen Projekten wird KI daher nicht als Bruch mit früheren Strategien verstanden, sondern als Erweiterung einer Praxis, die sich mit Wiederholung, Variation und Kontextverschiebung beschäftigt.
Ich habe meine ersten Gedanken zur Aneignungskunst, die ich 2004 in einer Broschüre gesammelt hatte, neu überarbeitet und zusammengefasst. Dieses Büchlein findet ihr auch bei den Publikationen.

AlgoBrush meets Leopoldi-Paintress
Schon lange hatte ich beim Betrachten meiner frühen Arbeiten entdeckt, dass sich meine Bedeutungen verschoben hatten, Wertigkeiten geändert. Manche meiner Bilder verstummten. Ich höre nicht mehr, was sie mir erzählt hatten.
Künstler wie Michelangelo, Claude Monet, Gerhard Richter, John Baldessari, Georgia O'Keeffe oder Michael Landy entschieden sich aus verschiedenen Gründen dazu, Teile ihrer Werke zu zerstören. Hier der Artikel dazu: artsy.net
Meine eigenen Arbeiten zu zerstören - nur weil sich meine Art, Kunst zu schaffen, geändert hat und die Lust auf Neues, auf Weiterentwicklung und das Spiel in Kunst mir neue Wege gezeigt haben - kam mir nie in den Sinn.
Mit der Entdeckung der neuen Möglichkeiten der bildgenerierenden KIs, kam mir jedoch nun die Idee, mir meine eigenen Arbeiten anzueignen und umzuarbeiten, neue Bedeutungen zu finden und darzustellen oder einfach auch nur als Ludens Artifex ein wenig spielerisch Variationen zu entwickeln.
Interessant dabei war für mich nicht nur der Dialog mit der KI, sondern tatsächlich auch zu entdecken, das mein Leben mir eine Fülle an "Material" geschenkt hat, das jetzt - im Jahr 2025/2026 - vollkommen neue Bedeutungen in meinen Bildern findet.
Und wenn ich diese Bilder im Jahr 2036 betrachte, werde ich erneut Bilder von heute entdecken, die verstummt sind.
Irgendwie ist dieser Gedanke für mich ein sehr tröstlicher.
AlgoBrush meets Leopoldi-Paintress - Die Bilder
Da ich mir nun sicher bin, dass sich Bedeutungen verschieben können, werde ich neben den Bildern nur die Titel präsentieren. Ähnlich wie im latenten Raum der KIs soll dieser Bereich auch ein latenter Raum der Kunst werden - Bedeutungen sind nicht immer wichtig.








Dies ist ein Projekt, das sich nach und nach füllt - also gern immer wieder mal nachschauen.